NEWS-CENTER

Kollaborative Interaktionstechniken erleichtern Erschließung von Ölvorkommen

VRGeo-Konsortium nutzt NVIDIA-Technologie in der seismischen Forschung

Öl- und Gasvorkommen sind immer schwieriger zu finden. Um die Risiken zu minimieren, Bohrungen durchzuführen, die ins „Leere“ führen, wird die exakte Analyse seismischer Daten zunehmend wichtiger. Eine neue Lösung unter Verwendung von NVIDIA-Technologie hat das VRGeo-Forschungs- und Entwicklungsteam am Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme (IAIS) in Sankt Augustin konzipiert.

VRGeo 1
Zylinderförmiges Displaysystem i-Cone: Das zylindrische i-Cone-Displaysystem zeigt eine gestreamte GID-Karte mit einer zweidimensionalen Linie inklusive Kommentar.

Die Analyse seismischer Daten wird heute immer komplexer, da im Unterschied zur Vergangenheit deutlich mehr Daten zur Verfügung stehen, die durch Schallmessungen im Untergrund gewonnen werden. Hauptsächlich genutzt wird dabei die 2D-Seismik, mit der man zweidimensionale Schnittbilder der Erdschichten erhält. Die Struktur von eventuell geeignetem unterirdischem Vorkommen wird hauptsächlich aus zweidimensionalen seismischen Bildern rekonstruiert, unterstützt durch Informationen nahegelegener Bohrungen, die die gleiche Sequenz zeigen. Die Rekonstruktionen werden genutzt, um geologische Strukturen zu identifizieren, die Kohlenwasserstoffe enthalten. Zudem wird abgeschätzt, ob diese in einer Menge vorhanden sind, die eine Bohrung rechtfertigt.

Generell werden bei der Planung von Öl- oder Gasbohrungen heute Visualisierungstools eingesetzt. Es handelt sich dabei um Software-Applikationen, die komplexe dreidimensionale Informationen visuell in einer intuitiven Art und Weise darstellen. Die Entwicklung und Evaluierung adäquater Hardware- und Software-Technologien für Visualisierungssysteme ist auch ein Hauptziel des 1998 gegründeten VRGeo-Konsortiums, in dem führende Unternehmen der internationalen Öl- und Gasindustrie vertreten sind.

VRGeo 2
Anwender bei der Darstellung seismischer Daten in 2D auf seinem Multitouch-Tablet. Das grüne Rechteck kennzeichnet den aktuellen Ausschnitt, den der Nutzer auf seinem Tablet sieht.

Nach Diskussionen mit Mitgliedern des VRGeo-Konsortiums hat das VRGeo-Forschungs- und Entwicklungsteam am Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme (IAIS) eine Prototypen-Applikation konzipiert, die eine interaktive Interpretation der seismischen Daten in 2D durch mehrere Forscher unter Nutzung von Multitouch-Tablets ermöglicht. Das System wurde so konzipiert, dass verschiedene User gleichzeitig die seismischen Daten mit Anmerkungen versehen und analysieren können – und zwar in Echtzeit auf einem großen zylinderförmigen Displaysystem. Dieses i-Cone genannte System unterstützt eine beliebige Anzahl von Anwendern, die ihre Eingaben an der Displaywand über Tablet-PCs vornehmen. Die dabei eingesetzten Android-Tablets werden angetrieben von leistungsstarken NVIDIA-Tegra-Chips.

Beim i-Cone handelt es sich um ein zylindrisches 270-Grad-Displaysystem mit hoher Auflösung. Dies gewährleistet eine optimale Darstellungsqualität aus jedem Betrachtungswinkel – ohne geometrische oder perspektivische Verzerrungen. Das Projektionssystem mit vier Barco-Projektoren in einer SLI-Mosaic-Konfiguration wird von einer HP-Workstation mit einer NVIDIA-QuadroPlex-Lösung gesteuert. NVIDIAs Mehrbildschirm-Technologie Mosaic ermöglicht es, eine beliebige Anwendung von einer einzigen Workstation aus auf mehrere hochauflösende Panels oder Projektoren zu skalieren.

VRGeo 3
Zwei Benutzer arbeiten gleichzeitig an einer zweidimensionalen seismischen Linie. Die Interpretationen der Nutzer werden automatisch miteinander kombiniert und zusammen auf dem i-Cone-Displaysystem angezeigt.

Ein zentraler Vorteil der neuen Lösung ist, dass die Forscher ihre individuellen, auf dem eigenen Tablet-PC gespeicherten Arbeitsergebnisse unter Nutzung einer kollaborativen Interaktionstechnik gemeinsam diskutieren und interpretieren können. Ihre jeweiligen seismischen Analysen werden dazu auf dem i-Cone dargestellt. Die Zeiten, in denen man sich die Arbeitsresultate per PowerPoint-Folien übermitteln musste, gehören damit der Vergangenheit an.

„Auf die Präsentation unserer Lösung und der damit verbundenen Möglichkeit der interaktiven Zusammenarbeit mehrerer Anwender haben wir ein äußerst positives Feedback vom VRGeo-Konsortium erhalten. Die Lösung zeigt, dass Multitouch-Tablets mit Tegra-Prozessoren das Potential haben, die Art und Weise, wie wir zusammenarbeiten, dramatisch zu verändern“, betont Manfred Bogen, VRGeo Consortium Programme Director beim Fraunhofer IAIS in Sankt Augustin.

In einem der nächsten Schritte wird die Lösung weiteren Experten in der Öl- und Gasindustrie – unter anderem von Eni, ExxonMobil und Landmark Halliburton – vorgestellt und erörtert, wie sie das System in ihre tägliche Arbeitsumgebung integrieren können.

VRGeo 2

VRGeo 3