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Die niederländische ESWC 2004-Qualifikation

Die ESWC 2004-Qualifikationsrunden sind in vollem Gange. Inzwischen stehen die Ergebnisse aus den Niederlanden fest: Die im Rahmen der NetGamez veranstalteten Landesmeisterschaften in Nieuwegein brachten an einem spannungsgeladenen Wochenende die besten Spieler der Niederlande zusammen.

An der Warcraft 3-Front glänzte einer der Topstars allerdings durch Abwesenheit: Grubby nahm stattdessen an einem Turnier in China teil und konnte daher nicht die Gelegenheit wahrnehmen, seinen Ruf als bester europäischer Spieler zu verteidigen. Da er sich voll und ganz auf Acon4, eines der größten chinesischen Turniere, konzentrieren will, werden wir in leider nicht beim Finale im Futuroscope sehen.

Damit war der Weg frei für 4K.Myth, der seine Überlegenheit ohne große Mühe zur Schau stellen konnte und NoeNoe, Smurf und Loves.and.Lies aus dem Feld schlug. So wird es also an ihm liegen, im Futuroscope die niederländische Nationalehre zu verteidigen und den Finals seinen Stempel aufzudrücken.

4K.Myth is interviewed after his victory

Obwohl im Gegensatz dazu im Counter-Strike-Wettbewerb alle „üblichen Verdächtigen“ für ein Turnier dieser Klasse vertreten waren, dominierten mysod das Feld überraschend klar. Nur zweimal wurde es knapp: Im Finale der Gewinnergruppe gegen Calibre und im großen Finale gegen edit mussten mysod über die volle Distanz gehen und konnten beide Begegnungen schließlich knapp mit 16:14 für sich entscheiden. Letztendlich war das Turnier jedoch ein eindrucksvoller Beleg für die momentane Dominanz von mysod in der niederländischen Szene – das Ticket zur ESWC war somit redlich verdient.

mysod, die niederländischen Counter-Strike-Meister 2004

Was ist das Erfolgsgeheimnis von mysod? Im Interview verrät uns Frenk Tames (alias mysod.MSI | Juvenile), Teamchef von Surrender or Die, wie der Clan zu seiner heutigen Spitzenstellung gelangt ist – und wie wichtig konsequentes Training im Pro-Gaming ist.

NVIDIA: Schon seit den Anfängen im Jahr 2000 hat sich dein Team hauptsächlich um Counter-Strike herum entwickelt. 2001 bist du als Manager eingestiegen und mysod nahm dank der straffen Organisation langsam Form an. Seitdem ist dein Team in den Niederlanden konstant unter den besten Drei, und jetzt dürft ihr sogar euer Land bei den ESWC 2004-Finals vertreten. Gibst du uns noch mal einen kurzen Überblick über die Teamgeschichte und wie du e-Sport-Szene in den Benelux-Ländern siehst?

mysod.MSI | Juvenile: Damals haben mich Surrender or Die gefragt, ob ich nicht als Manager einsteigen möchte. Mein alter Clan xstars war eingeschlafen, weil die meisten Spieler anderweitige persönliche Verpflichtungen hatten. Das waren zu dieser Zeit Aapje, Kainie, Spacey, Marsh, Apollo und ich, also alles etablierte Spieler im Benelux-Raum. Aapje ist dann zu Surrender or Die und meinte, ich sollte doch auch mitkommen.

Leider war das Team aus denselben Gründen wie bei xstars kaum aktiv, also konnte man damit rechnen, dass es den gleichen Weg gehen würde. Vision, der zu dieser Zeit Teamchef war, wollte aber den Clan am Leben erhalten. Also hat er mich gebeten, das Team zu übernehmen, und mir das volle Kommando übertragen. Mit der Zeit haben sich dann meine Pläne konkretisiert, und Surrender or Die wurde zu Surrender or Die / mysod.nl Multigaming.

Die Hauptidee war es, eine Organisationsstruktur zu haben, die nicht von einem einzigen Team abhängig sein sollte. Dass wir dann das „my“ an den Namen gehängt haben, war eigentlich mehr eine Marketingidee. Man sollte merken, dass sich unsere Fans als Teil unserer Teams fühlen sollten – dass es praktisch „ihre“ Teams sind, daher das my. Jedenfalls haben wir jetzt einen Clan, der eigentlich nie eingehen oder sterben kann. Wer bei mysod spielt, tut das nicht so sehr für seinen persönlichen Erfolg, sondern will beweisen, dass wir Holländer eines der besten Gaming-Länder der Welt sind. So entstand unter anderem ein sehr erfolgreiches Counter-Strike-Team, nicht zuletzt dank der Unterstützung durch MSI und viele andere Helfer.

Ich denke, wir können schon ganz stolz auf das sein, was wir mit mysod erreicht haben. Damals waren wir fast tot, dieses Jahr haben wir 10 von unseren 15 Leuten in den ESWC-Finals. Am Anfang dachten viele in der Szene, dass wir nicht lange durchhalten würden und dass es ein Benelux-Clan sowieso nie so weit bringen könnte. Bleibt nur eins zu sagen: Ich bin stolz auf all unsere Mitglieder, die geholfen haben, mysod zu dem zu machen, was es heute ist.

NVIDIA: Wie auch viele andere Topteams habt ihr große Sponsoren und seid sehr professionell organisiert. Man kann es also wohl kaum noch als Hobby bezeichnen. Was motiviert dich persönlich, so eine Organisation zu führen? Was ist die eigentliche Aufgabe der Leute „hinter“ den Spielern, und was können sie ausrichten?

mysod.MSI | Juvenile: Das ist so wie im Fußball. Auch da gibt es Spieler und Manager. Um weiterzukommen, braucht man beides. Unser Ziel ist es, nächstes Jahr mit allen unseren Teams bei der CPL World Tour 2005 vertreten zu sein, also in Counter-Strike, Painkiller und Unreal Tournament 2004. Um das schaffen zu können, braucht man gute Sponsoren.

Ich denke, unserem „Management“ kommt da die Aufgabe zu, stabile Partnerbeziehungen zu unseren Sponsoren aufzubauen. Wir nehmen ihre Interessen ernst und halten sie jede Woche auf dem Laufenden. Es ist also nicht einfach so, dass der „reiche Onkel“ vorbeikommt und Geld da lässt. Wir promoten unsere Sponsoren, wo es nur geht, und wir hoffen, uns mit ihrer finanziellen Hilfe irgendwann mit den besten Teams der Welt messen zu können. Natürlich sind internationale Events nicht gerade billig, aber für die Sponsoren kann es eine sehr attraktive Möglichkeit sein, Werbung zu machen. Wir versuchen also, aus der Beziehung immer das Beste sowohl für uns als auch für unsere Sponsoren herauszuholen.

Wie schon gesagt wollen wir auch unser Land als Spielernation bekannt machen, also ist es sehr leicht, die Spieler und Manager zu motivieren. Alle wollen, dass der Clan in den obersten Etagen mitmischt, also tragen alle ihren Teil bei. Jeder, der mitmacht, ist wichtig – nicht nur die Spieler und Manager. Man braucht ein starkes Team mit engagierten Leuten, um weiterzukommen.

NVIDIA: Ihr werdet jetzt bei den ESWC-Finals eure Landesehre verteidigen, eine Aufgabe, die letztes Jahr mehr oder weniger erfolgreich Re-Flex zugekommen ist. Erzählst du uns etwas über die Spieler in deinem Team, ihre Erfahrung und eure Strategie für das Turnier?

mysod.MSI | Juvenile: Zuerst mal glaube ich, dass Re-Flex 2003 einfach ziemliches Pech mit der Auslosung hatten. Sie waren in einer Gruppe mit team9, die dann später das Turnier gewonnen haben. Da immer nur ein Team pro Gruppe weiterkommt, war das das Ende für Re-Flex. Lustigerweise haben Re-Flex gegen team9 sogar 13 Runden gewonnen, im restlichen Turnierverlauf hat kein anderes Team mehr als 8 geschafft.

Es war also nicht so, dass sie schlecht gespielt hätten, sie hatten einfach nur das Pech, dass sie schon am Anfang mit dem besten Team zusammengewürfelt wurden. Ich glaube, wenn sie in einer anderen Gruppe angefangen hätten, wären sie um einiges weiter gekommen.

Beinahe alle unsere Spieler haben Erfahrung aus der ESWC, der CPL oder WCG. Und wir nehmen die ESWC sehr ernst, auch wenn manche Leute das vielleicht nicht glauben. Wir trainieren jeden Tag mindestens 3 Stunden zur Vorbereitung.

Unser Ziel ist ein Platz unter den Top 10, und wir hoffen, dass wir nicht schon in der Anfangsgruppe an Teams wie NoA oder SK.swe geraten. Das wäre zwar sicher ein tolles Erlebnis, aber lieber wäre es mir, wenn wir ein bisschen Losglück hätten und dann erst am dritten Tag in den Playoffs gegen solche Teams antreten müssen.